In eurer Schullaufbahn steht ihr mit Sicherheit immer mal wieder an einem Punkt, an dem es euch am sinnvollsten erscheint, Unterrichtsstoff auswendig zu lernen – sei es, weil ihr mit den Inhalten nicht viel anfangen könnt oder ihr glaubt, euch den Stoff nicht anders merken zu können. Lange Zeit war es recht verpönt, „einfach nur“ auswendig zu lernen: Das „Eintrichtern“ wurde damit assoziiert, dass man sich für ein echtes Verständnis zu wenig bemühe und zudem auch schnell alles wieder vergesse. Dies muss zwar nicht so sein, es ist aber auch wahrscheinlich, dass das Auswendiglernen mal mehr und mal weniger sinnvoll und notwendig ist. Im Folgenden erfahrt ihr, warum man nicht alles auswendig lernen muss, aber auch, wie Auswendiglernen gelingen könnte, wenn es doch gefragt ist. Das sind gleichzeitig auch gute Lerntipps fürs Abi.

Muss man alles auswendig lernen?

Sicherlich geht es euch auch so: Das Lernen und Merken fällt immer dann besonders leicht, wenn ihr eine Verbindung zu dem entsprechenden Inhalt herstellen könnt. Ein Beispiel gefällig? Gerne: Wenn ihr bereits wisst, dass im Jahr 1945 der Zweite Weltkrieg endete, fällt es euch sehr viel leichter, herzuleiten, wann in etwa die D-Mark eingeführt wurde. Natürlich nach dem Kriegsende und das auch nicht sofort, da ihr euch vorstellen könnt, dass eine Währungsreform ein bisschen Zeit benötigt: Sich dann das konkrete Jahr – 1948 – zu merken, ist irgendwie relativ einfach. Müsstet ihr hingegen ein Leben lang parat haben, von wann bis wann ein bestimmter chinesischer Kaiser geherrscht hat, ohne irgendeinen Bezug zu dem Thema oder einen Funken Wissen über chinesische Geschichte zu besitzen, sähe die Sache schon ganz anders aus. Das Ganze auswendig zu lernen, wäre hier vielleicht die einzige Option, allerdings ohne Frage auch eine unbefriedigende.

Lernsachen

©123rf.com/profile_tonobalaguer

Wer in den Genuss eines guten Schulunterrichtes kommt, kann also dank des bereits erworbenen Wissens zumindest einiges grob herleiten und mitunter sogar darauf verzichten, stumpf auswendig zu lernen. Oft genügt das Herleiten schon – nicht immer wollen Lehrer etwas ganz genau wissen: Vokabeln, Matheformeln, ein paar Geschichtsdaten und anderes kann hier allerdings vielleicht eine Ausnahme sein. Fällt euch – um beim obigen Beispiel zu bleiben – partout das Jahr 1948 nicht ein und verwechselt ihr es zum Beispiel immer wieder mit dem Jahr 1947 oder 1949, kann es hilfreich sein, dieses Datum auswendig zu lernen, um dem Lehrer die Antwort zu bieten, die er haben möchte. Wichtig ist aber, dass ihr auch dann möglichst anstrebt, mit einem zu lernenden Fakt wirklich etwas zu verbinden. Denn wie wahrscheinlich ist es schon, dass ihr eine gute Note in Geschichte bekommt, wenn ihr die entsprechenden Daten auswendig könnt, aber nicht erklären könnt, warum 1948 eine neue Währung in Deutschland eingeführt wurde?

Natürlich lassen sich nicht nur Daten, Formeln und andere eher abstrakte Fakten auswendig lernen. Auch Inhalte wie etwa die Ursachen und Auslöser eines Krieges kann man gewisserweise auswendig lernen. Dieses umfassendere Auswendiglernen mutet schon einmal vernünftiger an, da das Gelernte selbst eventuell schon Zusammenhänge beinhaltet und zudem im Idealfall später als Basis für den Wissensaufbau und das Verknüpfen mit anderen Fakten herhalten kann: Es ist aber möglicherweise oft gar nicht nötig, da ihr Zusammenhänge vielleicht ohnehin viel besser erinnern und herleiten könnt als abstrakte Fakten. Fragt euch also am besten immer, ob es euch wirklich hilft, etwas auswendig zu lernen, und ob ihr euch neues Wissen nicht auch durch Verknüpfungen erschließen könnt. Oft funktioniert sogar das Auswendiglernen genau über solche Verknüpfungen, wie ihr gleich noch erfahren werdet.

Vokabeln müsst ihr übrigens oft tatsächlich auswendig lernen: Schließlich lässt sich zum Beispiel nur eine begrenzte Menge englischer und französischer Wörter aus dem Deutschen ableiten, wobei auch noch die berüchtigten „False Friends“ lauern. Und natürlich seid ihr keine Sprachwissenschaftler. Wenn ihr schon mehrere Sprachen beherrscht, kommt das Herleiten allerdings vielleicht doch wieder ins Spiel und ihr könntet weitreichende Parallelen bei Vokabeln, Grammatik und Co. entdecken: So hilft Latein zum Beispiel recht gut beim Erlernen romanischer Sprachen. Wer weiß, dass etwa „currere“ auf Latein „laufen“ bedeutet, muss die französische Vokabel „courir“ und die spanische „correr“ wohl zumindest nicht mehr stundenlang auswendig lernen.

Tipps zum Auswendiglernen

Erst einmal müsst ihr wissen, was bei der nächsten Klausur eigentlich gefragt ist. Selbst wenn eure Lehrer die Geheimnisvollen spielen, könnt ihr dies mit etwas Aufmerksamkeit in Ansätzen natürlich recht gut herausfinden. Nutzt eure Menschenkenntnis und achtet darauf, was euer Lehrer im Unterricht besonders hervorhebt – etwa, indem er es häufiger wiederholt oder indem er für ein Thema viel Zeit aufwendet. Das konkrete Thema der nächsten Klausur werdet ihr so wahrscheinlich auch nicht herausfinden können, ihr wisst aber im Groben, wohin der Hase läuft. Gilt es nun, etwas auswendig zu lernen, beherzigt ihr vielleicht zunächst diesen ersten Tipp:

Tipp 1: Geht strukturiert beim Zusammenstellen des Lernstoffes vor.

Bücherstapel

©123rf.com/profile_evgenyi

Wenn ihr den Lernstoff strukturiert zusammenfasst und damit rechtzeitig beginnt, kommt euch der Stoff plötzlich vielleicht viel überschaubarer vor. Ihr steht nicht mehr vor einem Chaos aus losen Notizen, aufgeschlagenen Büchern und Co., sondern habt euch im Idealfall selbst einen guten ersten Überblick darüber verschafft, was ihr überhaupt auswendig lernen wollt und was schon so sitzt. Dies beruhigt schon einmal ungemein. Aber es geht natürlich noch weiter.

Nur sehr selten – etwa bei Vokabeln, Daten und Co. – benötigt ihr Gelerntes in einer ganz konkreten Form: Das Auswendiglernen von Gedichten etwa ist ziemlich aus der Mode gekommen und ihr kämet auch sicherlich nicht auf die Idee, ohne konkreten Anlass die exakte Länge aller deutschen Flüsse auswendig zu lernen. Dies ist wohl eher Wissen, das man bei Bedarf nachschlagen kann. Bei vielen Dingen, die ihr auswendig lernen möchtet, könnt ihr also auch ein wenig über die Form des Inhaltes bestimmen, daher dieser zweite Tipp:

Tipp 2: Bringt den Lerninhalt auf den Punkt und in eine gut memorierbare Form.

Soll heißen: Nehmt euch, wenn nicht unbedingt notwendig, nicht vor, einen kompletten Text auswendig zu lernen, sondern konzentriert euch auf Stichpunkte oder im Falle von Vokabeln und Co. auf einzelne Wörter und ggf. kurze Anwendungsbeispiele. Kleine Häppchen auswendig zu lernen, fällt sicherlich leichter, und ihr könnt das abgespeicherte Wissen dann später vielleicht auch besser in eigenen Worten wiedergeben.

Ihr habt den wichtigen Lernstoff zusammengestellt und das, was ihr auswendig lernen wollt, gut „portioniert“? Wunderbar – Tipp 3 hilft euch möglicherweise, das Auswendiglernen an sich effizienter zu gestalten:

Tipp 3: Nutzt Hilfsmittel und wiederholt den Stoff oft.

Möchtet ihr etwas auswendig lernen, kommt es vor allem auf das mehrfache Wiederholen an. Hierfür könnt ihr zum Beispiel mit Karteikarten arbeiten, die ihr euch immer wieder anseht und mit denen ihr euch selbst abfragt, bis der Lernstoff sitzt. Ihr könnt aber auch „Spickzettel“ schreiben, die natürlich nicht mit in die Klausur genommen werden, sondern lediglich im Vorfeld eine Rolle spielen. Schreibt ihr das, was ihr auswendig lernen wollt, immer mal wieder auf, bleibt es vielleicht besser im Gedächtnis. Zudem könnt ihr besondere Techniken für das Auswendiglernen anwenden. Durch die dabei entstehenden Erinnerungsstützen entstehen Verknüpfungen – etwa, indem ihr mit Merksätzen arbeitet, euch Bilder oder gar ganze Geschichten für einzelne Lerninhalte ausdenkt, die euch leichter wieder einfallen als der Lernstoff selbst, euch aber auch den Zugang zu diesem erleichtern. Wenn ihr merkt, ob ihr eher gute oder schlechte Auswenidiglerner seid, beeinflusst das später vielleicht auch eure Studienwahl.

Lernen kann anstrengend sein, manchmal trifft dies besonders zu, wenn ihr etwas auswendig lernen wollt. Daher lautet unser letzter Tipp für euch:

Tipp 4: Verkrampft nicht.

Es ist wahrscheinlich wenig sinnvoll, sich auf Biegen und Brechen Wissen in den Kopf hämmern zu wollen. Verkrampft also nicht, wenn ihr etwas auswendig lernen möchtet. Mit einer positiven Einstellung, Geduld und Pausen, die euch entspannen, stellt sich Erfolg sicherlich schneller ein als mit Frust im Bauch, Aufregung und Stress!