Es ist eine Frage, die sich schon viele Schüler gestellt haben: Soll ich lieber Latein oder Französisch lernen? Obwohl das Französische oftmals mit mehr Lebendigkeit und Anwendbarkeit assoziiert wird, sollte es auf diese Frage keine pauschale Antwort geben: Besser ist es, wenn ihr euch (unbedingt gemeinsam mit euren Eltern und Lehrern) ganz individuell Gedanken darüber macht, was euch mehr liegen und euch in der Zukunft hilfreicher sein könnte. Hierzu müsst ihr aber erst einmal wissen, was beide Sprachen und den entsprechenden Unterricht auszeichnet. Erste Einblicke könnt ihr im Folgenden gewinnen. Wer weiß: Vielleicht fällt es euch dann schon leichter, euch entweder für Latein oder Französisch zu entscheiden!

Latein oder Französisch? Vor- und Nachteile des Faches Französisch

Bei der Frage „Latein oder Französisch“ punktet Französisch wie oben schon angedeutet vor allem mit seiner Lebendigkeit und Anwendbarkeit: Französisch ist eine Sprache, die nicht nur in Frankreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt gesprochen wird. Vielleicht hilft Französisch sogar bei der eigenen Abi-Reise weiter.Latein hingegen spricht eigentlich niemand: Echte, lebensnahe Konversation gibt es nicht. Wählt ihr hingegen Französisch, könnt ihr euch mit vielen Menschen auf der Welt unterhalten, auch wenn Englisch natürlich nach wie vor die internationalste Sprache ist. Durch die Entscheidung für Französisch sichert ihr euch zudem eventuell Vorteile für euer späteres Berufsleben: Wer weiß, vielleicht arbeitet ihr später in einem internationalen Konzern, in dem Französischkenntnisse gerne gesehen sind, oder gar im französischsprachigen Ausland.

Ob ihr lieber Latein oder Französisch wählt, sollte aber auch davon abhängen, mit welchen Problemen ihr bei beiden Optionen rechnen könnt. Wie jedes Schulfach weist natürlich auch das Fach Französisch ein paar Schattenseiten auf: Denkt daran, dass die Aussprache des Französischen sich doch sehr von derjenigen des Deutschen unterscheidet und es auch andere schriftsprachliche Merkmale wie etwa Accents gibt, die das Lernen nicht unbedingt erleichtern – kurzum: Das Nasale des Französischen liegt nicht jedem und auch die Rechtschreibung ist bei dieser Sprache eine Herausforderung. Und auch, wenn Latein oft als das Fleißfach schlechthin angesehen wird: Auch beim Erlernen der französischen Sprache müsst ihr einiges geben! Ganz so leicht wie beim Englischen wird es hier wahrscheinlich nicht – vor allem, da ihr sicherlich schon vor dem Gymnasium viel mehr Kontakt zum Englischen (Song-Texte, Anglizismen etc.) als zum Französischen hattet, und letztere Sprache eine komplexere Grammatik aufweist.

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Latein oder Französisch? Vor- und Nachteile des Faches Latein

Eines der Hauptargumente, das bei der Frage „Latein oder Französisch“ für Latein spricht, ist, dass diese Sprache die Basis für viele andere Sprachen ist. Wer zuerst Latein lernt, wird sich möglicherweise vor allem mit Französisch, Italienisch, Spanisch und anderen romanischen Sprachen leichter tun. Sogar für die Herleitung vieler Begriffe der gehobenen deutschen Sprache ist Latein ohne Frage nützlich, was das Verständnis für die eigene Muttersprache schärft. Aufgrund der vielen lateinischen Terminologien, die es bis in unsere Sprache oder zumindest in Fachsprachen geschafft haben, und aufgrund der Vorreiterrolle von Latein für andere Sprachen ist das Latinum auch mitunter immer noch Voraussetzung für bestimmte Studiengänge. Bei manchen Studienfächern kommt die Pflicht zum großen oder kleinen Latinum für einige Abiturienten sogar recht überraschend: Liebäugelt ihr etwa damit, später Sprachen (auch auf Lehramt) zu studieren, könnte es passieren, dass ihr nach eurem Latinum gefragt werdet. Bei einigen weiteren Fächern könnte eine Pflicht zum Latinum bestehen, wobei allerdings immer auf die konkreten Vorgaben der Hochschulen achtzugeben ist.

Da ihr euch aber gerade erst mit der Frage, ob ihr lieber Latein oder Französisch an der Schule wählt, befasst, ist es verständlich, wenn ihr euch aktuell noch gar nicht so genau in Sachen Studienwahl entschieden habt. Zu wissen, dass das Nachholen des Latinums allerdings ein ziemlicher Akt sein kann, schadet schon einmal nicht. Mancher Schüler mag dabei auch denken: Mach ich das Latinum jetzt, hab ich es wenigstens ein für alle Mal hinter mir. Wirklich vorteilhaft an Latein ist übrigens, dass diese Sprache auch das logische Denken schulen kann: Ihr müsst strukturiert vorgehen, um lateinische Texte, die voller Grammatik stecken, zu entwirren. Dies leitet aber auch zugleich zu den Problemen über, die dieses Schulfach aufweisen kann.

Die Entscheidung zwischen Latein oder Französisch wird bei manchem Schüler auch davon beeinflusst, dass er mit großen Schwierigkeiten beim Lateinunterricht rechnet. Nachteilig an Latein könntet ihr etwa wahrnehmen, dass diese Sprache in der Regel mit echtem Büffeln verbunden ist. Zum Teil geht es sogar um echtes Auswendiglernen, wobei das Gelernte aber nicht nur abgerufen und heruntergebetet, sondern auch bei Übersetzungen angewendet werden muss. Ein Großteil der Aufgaben, die ihr im Lateinunterricht bewältigen müsst, bestehen in diesem Übersetzen: Ihr lernt die Sprache also eigentlich nur, um lateinische Texte in eure eigene Sprache übertragen zu können. Das ist mitunter wenig befriedigend: Ihr werdet euch wahrscheinlich nicht mit euren Mitschülern auf Latein unterhalten (außer einmal kurz zum Spaß) und ihr selbst verfasst im Unterricht keine Texte auf Latein. So kann das Lateinlernen recht trocken und anstrengend werden.

Latein oder Französisch? Eine individuelle Lösung muss her!

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Auch wenn Latein bei manchen Schülern – insbesondere bei denen mit älteren Geschwistern, die bereits Latein lernen, – in Verruf steht: Es sollte deutlich geworden sein, dass sowohl Französisch als auch Latein Vorteile aufweisen, die ungemein wichtig sein können. Dass es nett ist, beide Sprachen zu beherrschen, steht somit außer Frage. Aber auch die Nachteile beider Fächer sind nicht zu unterschätzen. Ihr solltet das Fach wählen, das euch mehr zu liegen scheint: Sonst könnte es passieren, dass schlechte Noten nicht nur die Freude am Lernen von Latein oder Französisch verhageln, sondern auch die Schullaufbahn ungünstig beeinflussen. Gebt zudem nicht allzu viel darauf, ob eure besten Freunde nun Latein oder Französisch wählen: Die paar Schulstunden pro Woche kommt ihr auch getrennt voneinander aus.

Es wird deutlich, dass eure Wahl angesichts der Frage „Latein oder Französisch?“ immer individuell ausfallen sollte. Haltet ihr euch selbst mehr für den Praktiker, der später sehr wahrscheinlich keinen Studiengang mit Latinum-Pflicht anstrebt? Dann ist für euch vielleicht Französisch besser. Habt ihr Spaß am logischen Denken, seid ihr besonders fleißig und haltet ihr viel von einer klassischen Bildung, ist Latein vielleicht genau das Richtige für euch. Nehmt die Entscheidung auf jeden Fall nicht auf die leichte Schulter und besprecht euch mit euren Eltern und Lehrern: Sie können dank einer anderen Perspektive vielleicht sogar besser als ihr selbst beurteilen, welcher Lerntyp ihr seid.

Latein oder Französisch? Vielleicht geht auch beides?

Entweder Latein oder Französisch? Warum nicht beides? Die Schilderung der Vorteile von Latein und Französisch hat euch beeindruckt und ihr würdet am liebsten beide Sprachen lernen? Vielleicht geht das an eurer Schule sogar. Möglicherweise ist dabei eine feste Reihenfolge vorgesehen, eventuell habt ihr aber auch selbst die Wahl, ob ihr erst Latein oder Französisch lernt. In letzteren Fall sollte auch diese Wahl bedacht getroffen werden: Zuerst Latein zu lernen, kann sich im späteren Französischunterricht bezahlt machen, da ihr dann vielleicht schon viel herleiten könnt. Allerdings spricht auch einiges für das entgegengesetzte Vorgehen: Lernt ihr erst später Latein, habt ihr euch vielleicht schon ein wenig mehr gefestigt und könnt mehr Disziplin, die für das eher trockene Pauken erforderlich ist, an den Tag legen. In jüngeren Jahren liegen euch hingegen vielleicht eher die Praxis und die schnelle Motivation, die sich durch das Sprechen einer lebendigen Fremdsprache wie Französisch generieren lässt.