Lernstress kann an ganz unterschiedlichen Punkten der Schullaufbahn auftreten: Mitunter sind sogar schon Grundschüler vom Lernstress betroffen, da sie unbedingt den Sprung auf das Gymnasium schaffen möchten. Spätestens, wenn es auf das Abitur und somit auf das Ende der Schullaufbahn zugeht, macht sich der Lernstress allerdings bei fast jedem Schüler bemerkbar. Warum er so unwillkommen ist, liegt auf der Hand: Stress durchs Lernen kann sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Im schlimmsten Fall dreht sich alles nur noch um den Lernerfolg und für die schönen Seiten des Lebens bleibt nicht mehr genug Raum. Dies zu verhindern, ist wichtig: Denn das Leben besteht nicht nur aus Erfolg und Leistung, sondern hoffentlich auch aus bedingungslosem Glück, spontanem Spaß und schönen Momenten, in denen man einfach so mit sich zufrieden ist. Wie vielleicht auch ihr aufkommenden Lernstress begegnen könnt, damit er nicht euer ganzes Leben bestimmt, erfahrt ihr jetzt.

Ruhe bewahren!

Lernstoff aufteilen

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Für Lernstress, in den man plötzlich gerät, gibt es oft einen konkreten Auslöser. Was stresst euch also beim Lernen am meisten? Die Masse an Dingen, die ihr lernen sollt, eure Ungewissheit, was Lehrer von euch verlangen werden, die Spekulationen eurer Mitschüler über den Inhalt anstehender Tests und Klausuren? Egal, was es ist, versucht, die Dinge, die bei euch sofort Lernstress verursachen, in den Griff zu bekommen bzw. ihnen durch eine gute Organisation die Wucht zu nehmen. Erscheint euch der Lernstoff zu umfangreich, strukturiert ihn so gut wie möglich und teilt ihn euch in kleine Lernhäppchen ein. Lernt auch auf keinen Fall auf den letzten Drücker, was den Lernstress ungemein potenzieren könnte, sondern beginnt rechtzeitig mit euren Vorbereitungen.

Versteht ihr nicht, welche Lernziele eure Lehrer verfolgen, fragt nach und zieht durch die Aufarbeitung des Stoffes und sinnvolle sachliche Gespräche mit euren Mitschülern logische Schlussfolgerungen. Und wenn euch unsachliche und panische Spekulationen und Gerüchte über anstehende Klausuren und Test stören, setzt euch diesen nicht aus und beteiligt euch nicht an dem oftmals geradezu wilden Gedankenkarussell. Lasst euch nicht verrückt machen, sondern bildet euch ein eigenes Bild davon, was bei Prüfungen gefragt sein wird. Dies erfordert ohne Frage Selbstbewusstsein, ist aber ungemein wichtig, wenn es um die Vermeidung von hausgemachtem und gleichzeitig unnötigem Lernstress geht.

Entspannen kann man lernen!

Niemand kann von morgens bis spät abends, wochen-, monate- oder gar jahrelang volle Kraft vorausfahren. Es ist also wichtig, dass ihr eure Akkus nach einer Lerneinheit wieder aufladet, um später wieder Leistungen erbringen zu können und nicht in den absoluten Lernstress zu verfallen. Was euch entspannt und neue Energie liefert, müsst ihr selbst herausfinden: Dem einen helfen Entspannungstechniken, um abzuschalten, der nächste geht einfach zum Sport und der übernächste entspannt wunderbar beim Kochen, Lesen oder bei gemeinsamen Unternehmungen mit der Familie oder Freunden. Pausen beim Lernen sind ungemein wichtig! Wenn ihr also eine Lernphase organisieren wollt, plant diese Pausen von Anbeginn mit ein: So hat der Lernstress schon einmal sehr viel weniger gute Chancen, auch von euch Besitz zu ergreifen.

Unterstützung von Gleichgesinnten

Immer alleine im eigenen Zimmer zu lernen, könnte nicht nur ermüdend und wenig motivierend sein, sondern leider auch eine gute Basis für das Entstehen von Lernstress sein. Wenn ihr immer alleine lernt, könnt ihr weniger gut einschätzen, wie weit ihr schon seid und was wirklich wichtig ist. Zudem gebt ihr euch dem Lernstress vielleicht auch einfacher hin, wenn ihr keine Gesellschaft habt. Möglicherweise ist es daher für euch angenehmer, ab und an in Gruppen zu lernen – solange hierbei die oben angesprochenen Verunsicherungen durch unsachliche Spekulationen über Klausurinhalte ausbleiben. Beim gemeinsamen Lernen könntet ihr ggf. nicht nur euren Wissensstand abgleichen, was oft sehr beruhigend ist, sondern auch durch die Versuche, den Lernstoff euch gegenseitig zu erklären, ein vertieftes Verständnis erhalten. Außerdem merkt ihr, dass ihr nicht alleine seid: Dies verhindert zwar nicht unbedingt komplett das Aufkommen von Lernstress, der Spaß am gemeinsamen Lernen nimmt ihm aber möglicherweise etwas den Schrecken.

Überforderungen im privaten Bereich vermeiden

Euer Leben besteht weder ausschließlich aus schulischen Leistungen, die es mit allen Mitteln zu erbringen gilt, noch nur aus privatem Vergnügen. Wichtig ist, dass ihr ein gesundes Mittelmaß findet, das euch hilft, eure Lernziele zu erreichen, aber auch noch Spaß zu haben. Dann hat Lernstress weniger Chancen. Schaut euch also auch einmal euren Terminkalender im Freizeitbereich an. Macht ihr am Nachmittag wirklich auch einmal das, was euch Spaß macht, oder habt ihr durch zusätzliche Sprachkurse, Sportstunden oder Sonstiges sogar im Freizeitbereich regelrechten Termindruck? Vielleicht steht am Nachmittag auch gar nichts anderes in eurem Kalender als „Lernen“? Seid ihr unzufrieden mit der aktuellen Gewichtung, überlegt, ob es eine Möglichkeit gibt, sie zu ändern. Dabei kann es mitunter auch erforderlich sein, einen zusätzlichen Kurs, der dem Erlernen anderer Dinge dient, euch aber mehr stresst als erfreut, zu streichen, um mehr Zeit für das Lernen für die Schule und für echte Freizeitvergnügen zu gewinnen.

Überforderungen im schulischen Bereich vermeiden

Das Abitur in der Tasche zu haben, ist gut und schön. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein solch hoher Bildungsabschluss um jeden Preis erreicht werden muss. Bemerkt ihr Lernstress schon früh am Gymnasium, hält dieser an und steigert er sich sogar soweit, dass ihr kaum noch einen Ausweg ersinnen könnt, gilt es, auch einmal an Alternativen zu denken. Sucht das Gespräch mit euren Eltern und Lehrern und überlegt gemeinsam, ob nicht vielleicht eine andere Schulform für euch weniger Lernstress und somit mehr Zufriedenheit bedeuten könnte. Vielleicht steht an ihrem Ende auch das Abitur, aber der Weg dorthin passt besser zu euch. Oder aber ihr könnt später das Abitur noch nachholen, wenn ihr euch gefestigt habt und gelernt habt, mit dem Lernstress besser umzugehen. Natürlich sollte es immer euer Ziel sein, das Beste aus euch herauszuholen, da ihr so eine gute Basis für euer späteres Berufsleben legt. Verlangt euch das Gymnasium aber so viel ab, dass ihr nur noch im Lernstress seid, sich euer ganzes Leben ums Lernen dreht und dennoch die Noten eure Mühe nicht widerspiegeln und euch daher auch nicht motivieren können, läuft wohl etwas schief.

Lernen im richtigen Umfeld

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Die richtige Einstellung finden

Die heutige Gesellschaft ist ohne Frage eine Leistungsgesellschaft. Wie sehr ihr euch selbst über eure Leistungen definiert, ist aber auch eine persönliche Entscheidung. Ihr könnt den Standpunkt vertreten, dass Schulnoten das Wichtigste auf der Welt sind und jede Note in jeder Klausur perfekt sein muss, und euch dabei gleich selbst in Lernstress versetzen. Ihr könntet aber auch die Position einnehmen, dass schulische Leistungen ohne Frage wichtig sind, sie allein aber nicht über euer gesamtes Lebensglück bestimmen und man auch aus Fehlversuchen viel lernen kann. Mit letzterer Variante fahrt ihr sicherlich entspannter und haltet vielleicht auch ab und an den Lernstress besser im Zaume. Findet selbst die Einstellung, die ihr als richtig wahrnehmt, seid dabei gerne auch selbstkritisch.