Vielleicht kennt ihr das auch: Wenn eure Lehrer lange Vorträge über irgendetwas halten, was ihr lernen sollt, muss ein Teil eurer Mitschüler scheinbar einfach nur gut zuhören und schon sitzt der Stoff. Andere Schüler hingegen fragen sich eventuell schon kurz nach der Unterrichtsstunde, um was es noch einmal ging und ob das Ganze jetzt wichtig war oder nicht. Dieser Umstand könnte nicht nur damit zusammenhängen, dass die einen aufgepasst haben und die anderen nicht oder einfach vergesslicher sind, sondern vielleicht auch damit, dass in eurer Klasse unterschiedliche Lerntypen aufeinandertreffen. Dem einen genügt es, etwas zu hören, um es abzuspeichern, der Nächste würde das Ganze vielleicht lieber selbst nachlesen, der Dritte lernt nur gut, wenn er beim eigenen Handeln Erkenntnisse gewinnen kann, und der Letzte möchte gerne über den Lernstoff diskutieren, um ihn besser zu verstehen. Warum es wichtig sein könnte, zu wissen, zu welchem Lerntyp man selbst zählt, welche Schlussfolgerungen ihr daraus zum Beispiel für das Abitur ziehen könntet und einiges mehr zum Thema Lerntypen erfahrt ihr jetzt!

Welche Lerntypen gibt es?

Junge Frau lernt mit Büchern, Junger Mann im Hintergrund lernt mit Laptop

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Die klassische Aufteilung der Lerntypen ist schon in der Einleitung angeklungen: Oft ist die Rede von einem auditiven Lerntyp, einem visuellen Lerntyp, einem motorischen Lerntyp und einem kommunikativen Lerntyp. An dieser Einteilung mag etwas dran sein, wenn man sich auf grundsätzliche Präferenzen bezieht. Es erscheint aber auch sinnvoll, diese starre Einteilung etwas zu hinterfragen – die Welt und auch wir Menschen sind schließlich sehr komplex. So könnte es also durchaus auch möglich sein, dass ihr schon einmal beobachtet habt, dass einer eurer Mitschüler sich sein Wissen gerne durch Lesen aneignet (visueller Lerntyp), dieses Wissen aber auch sehr gerne in Diskussionen erweitert (kommunikativer Lerntyp). So hätte man es also mit einer Kreuzung zweier Lerntypen zu tun, was nicht ganz in die starre Aufteilung der Lerntypen passen mag. Zudem gilt: Richtig gut lernen wir in der Regel das, was wir auf vielfache Art und Weise erfassen. Soll heißen: Wenn man über eine Sache liest, sich dazu etwas anhört, das Wissen auch durch eigenes Handeln untermauern kann und auch noch darüber redet, sitzt das Ganze sicherlich schließlich und endlich recht gut. Somit erscheint es wenig sinnvoll, Lerntypen absolut zu setzen. Die obige Einteilung könnte euch aber helfen, euch selbst und euer Lernverhalten in einem ersten Schritt intensiver zu hinterfragen. Wie dies gelingen könnte, erfahrt ihr im Folgenden.

Den eigenen Lerntyp erkennen

Warum es wichtig ist, zu wissen, zu welchem Lerntyp man sich im Groben selbst zählen könnte, liegt auf der Hand: Habt ihr diesbezüglich eine Erkenntnis getroffen, könnt ihr vielleicht individuellere Lernstrategien entwickeln, die möglicherweise auch zu besseren Erfolgen in der Schule führen. Stellt euch also einfach einmal selbst auf die Probe, um im Dickicht der Lerntypen euren eigenen zu finden!

Wie das gehen könnte? Möglicherweise hilft es euch, eure bisherigen Erfahrungen Revue passieren zu lassen. Denkt beispielsweise an die letzte Klausur, die für euch ein voller Erfolg war. Habt ihr hier beim Lernen mehr Wert auf Lesen und Co. gelegt, euer Wissen durch das Hören erweitert, selbst gehandelt, um das Wissen zu generieren, oder habt ihr vielleicht ein gutes Gespräch mit jemandem geführt, durch das euch vieles klarer wurde? Zwar wird euer Erfolg möglicherweise Ergebnis mehrerer (und vielleicht zusätzlich auch anderer) Faktoren gewesen sein, eventuell sticht aber ein Faktor hervor und somit einer der beschriebenen Lerntypen. Kommt ihr mit eurer Selbstreflexion in Sachen Lerntypen nicht so recht weiter, könnte es, um dem eigenen Lerntyp auf die Schliche zu kommen, auch helfen, das Gespräch mit Menschen zu suchen, die euch gut kennen und euch im Alltag auch zwangsläufig beobachten. Ihnen fallen vielleicht Details auf, die ihr selbst gar nicht so intensiv bemerkt – etwa, dass ihr euch Lerninhalte beim Lernen selbst vorsprecht oder beiläufig Skizzen auf Papier zeichnet, um etwas besser zu verstehen.

Seid ihr euch ziemlich sicher, welcher der Lerntypen euch selbst am besten beschreibt, könnt ihr Schlussfolgerungen ziehen. Nun räumt ihr eurer bevorzugten Art und Weise zu lernen, vielleicht einfach etwas mehr Raum ein. Etwa, indem ihr, wenn ihr visuell gut lernt, euch bewusst Grafiken und Schaubilder anlegt, um den Stoff besser für euch zu strukturieren. Vergesst aber am besten auch das nicht, was schon weiter oben gesagt wurde: Lerntypen sind sicherlich nicht absolut zu setzen, es mag Mischtypen geben und das Lernen mit allen Sinnen erscheint sehr erfolgversprechend
. Zudem seid ihr am Ende des Tages alle Individuen, bei denen noch viel mehr Faktoren für das erfolgreiche Lernen eine Rolle spielen könnten, als einfach nur eine bevorzugte Art und Weise zu lernen.

Zusammenhang zwischen äußeren Faktoren und Lerntypen?

Drei Frauen mit Schulbüchern

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Es gibt viele äußere Faktoren, die sich darauf, wie gut jemand etwas lernt, auswirken könnten und die scheinbar erst einmal nichts mit den Lerntypen zu tun haben. Ein großes Thema ist die Konzentrationsfähigkeit. So benötigen zum Beispiel manche Menschen absolute Ruhe, um gut lernen zu können, während andere so in sich selbst ruhen, dass sie auch in der Straßenbahn oder beim Dudeln des Radios lernen können.  Bei manchen Beispielen dieser Art könnten die Lerntypen möglicherweise quasi eine verborgende Rolle spielen. Vielleicht lernt jemand bei einer ausufernden Geräuschkulisse nicht so gut, da er zu dem auditiven Lerntyp zählt und somit sein bevorzugter Sinn nicht durch Lerninhalte belegt wird, sondern durch Störfaktoren, die zur Ablenkung führen? Das wäre zumindest denkbar, allerdings gibt es auch eine Reihe äußerer Faktoren, die sich entweder gar nicht beeinflussen lassen, da sie nun einmal gegeben sind, oder für die es offenbar keine Zuordnung zu einem Lerntyp zu geben scheint. Wie ließe sich zum Beispiel erklären, dass manche erst dann richtig gut lernen können, wenn die Zeit zur Klausur immer knapper wird, während andere in einer solchen Situation sofort in solchen Stress verfallen würden, dass gar nichts mehr geht? Auch andere Faktoren, die etwa für Ablenkung sorgen, wie zum Beispiel Kummer beeinflussen, wie gut man gerade lernen kann. Die Aufteilung in Lerntypen scheint also nicht omnipotent zu sein. Besser als sich nur an starren Lerntypen zu orientieren, scheint es zu sein, ein wenig Energie darin zu investieren, sich selbst rund um kennenzulernen. Gelingt dies, wird man sicherlich auch schnell wissen, welche Lernstrategien bei einem selbst fruchten und welche nicht. So gäbe es dann für jeden einen ganz eigenen Lerntyp.