Eltern und Kinder geraten oft aneinander, denn zwischen den Generationen liegen oftmals Welten. Im 21. Jahrhundert gibt es dafür genügend Ursachen: Hobbys und Interessen, die „falschen“ Freunde und hauptsächlich die modernste Technik. Ob die Playstation, der PC oder das Smartphone – heutzutage gehören diese Dinge zum Alltag eines jeden Jugendlichen egal ob auf der Gesamtschule oder Gymnasium. Facebook, Instagram und YouTube können sehr fesselnd sein – so fesselnd, dass man auf sein Smartphone starrt, ohne etwas von der Umwelt mitzubekommen. Jemand, der so durch die Gegend läuft, wird als „Smombie“ bezeichnet.

„Smombie“ ist die Wortkombination aus Smartphone und Zombie. Dieses Kofferwort wurde von der Jury des Langenscheidts-Verlages kürzlich zum Jungendwort des Jahres 2015 gewählt. Bereits seit 2008 gibt es die Wahl des Jugendwortes. Jedes Jahr wird eine neue unabhängige Jury aus 20 Personen zusammengestellt. Diese Jury besteht aus Medienvertretern, Pädagogen, Sprachwissenschaftlern und natürlich Jugendlichen. Mit der Wahl wirbt der Langenscheidt Verlag für sein Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“, welches Jahr für Jahr publiziert wird. Vorab findet eine Onlineabstimmung statt, an welcher sich jeder von uns beteiligen kann. Letztendlich entscheidet jedoch die Jury nach den folgenden Kriterien: sprachliche Originalität und Kreativität, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse sowie den Verbreitungsgrad des Wortes. In der diesjährigen Onlineabstimmung lag das Verb „merkeln“, was so viel wie „nichts tun, keine Entscheidung treffen können“ bedeutet, ganz vorn – doch die Jury entschied sich für „Smombie“. Man sollte meinen, dass die Jugend von heute das Wort kennt und nutzt, doch mal ganz ehrlich – hast Du dieses vor der Wahl schon einmal gehört?

Smombie, Swombie, usw.

Auch wenn ihr Jugendlichen das Wort „Smombie“ vorher noch nie gehört habt, den „Smombie“ als Typus kennt ihr sicherlich. Schaue Dich doch mal in der Pause auf dem Schulhof um, überall wirst Du die gleiche Haltung sehen: Stehend, sitzend oder an die Wand gelehnt, den Kopf in einem 45°-Winkel nach unten gesenkt, das Handy in der Hand und nicht ansprechbar. Der „Smombie“. Einen Blickkontakt gibt es nicht, eine Konversation mit Freunden findet kaum noch statt – heute heißt es nur noch „Kennst du diese Seite schon?“, „Hast du das Video gesehen?“ oder „Schau mal!“, wenn denn überhaupt gesprochen wird. Gerade wegen dieser Ablenkungsgefahr sollte das Smartphone bei der Klausurvorbereitung lieber ausgeschlatet beleiben, um für eine optimale Lernumgebung zu sorgen. Als Außenstehender könnte man meinen die Kids stehen nebeneinander und schreiben sich gegenseitig, um bloß nicht miteinander reden zu müssen. Der Smombie lebt in seiner eigenen Welt!

Drei Personen starren gebannt auf ein Smartphone

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Eine Weiterentwicklung des Smombies ist in der Weihnachtszeit zu finden: Der „Swombie“. Dieses Wort setzt sich aus „Smartphone“, „Weihnachtsmarkt“ und „Zombie“ zusammen. Im Prinzip ist es derselbe Typus nur auf dem Weihnachtsmarkt: entweder steht man in einer Gruppe zusammen und ist in sein Handy vertieft, oder man läuft rum, stößt Leute und Stehtische an und kriegt dennoch nichts mit, weil man nichts anderes tut als auf sein Smartphone zu starren. Die Bezeichnung lässt sich nicht nur auf Jugendliche anwenden: Der Swombie ist vor allem bei jüngeren Kids zu erkennen. Schon längst hat jeder Grundschüler das neueste Smartphone, vorzugsweise das aktuellste I-Phone, welches nicht aus der Hand gelegt wird. Demnach ist ein Ausflug zum Weihnachtsmarkt, eher ein hinterher schleifen des Kindes, wobei dieses dauernd aufs Handy starrt. Dass dabei andere Besucher des Marktes angerempelt werden, wird ignoriert und das Entschuldigen erst gar nicht in Betracht gezogen. Zwischenzeitlich werden Selfies geschossen und direkt bei Facebook und Co. hochgeladen. Schließlich müssen die Freunde auf den neuesten Stand gebracht werden, dass sich diese wahrscheinlich zwei Meter vor einem auf dem Markt befinden, kriegen die Kids allerdings nicht mit.
Ob „Swombie“ oder „Smombie“ – die Generation des 21. Jahrhunderts ist zumindest stets auf dem neuesten Stand. In wenigen Augenblicken sind die richtigen Informationen aufgerufen, überflogen und verarbeitet. Auch deshalb kann man mit dem Smartphone auch wunderbar spicken. Der technische Fortschritt ist nicht nur die heutige Realität, sondern die allgemeine Zukunft. Heute ist der Typus des „Smombie“ vielleicht ein wenig lächerlich und ungewöhnlich, doch bald ist dieser übergreifend auf alle Generationen. Und in einer nicht allzu ferner Zeit werden wir nicht nur auf die Handys starren, sondern vielleicht mit integrierten Bildschirmen in Brillen oder Uhren, wie in Science-Fiction Filmen, durch die Welt streifen!