Die Anzahl an guten Methoden des Spickens ist immens groß. Spickanleitungen gibt es im Internet zu Haus, die Techniken werden dabei immer raffinierter. Doch auch die Lehrer gehen mit der Zeit. Sie „rüsten“ sozusagen nach und können gerade nach langjähriger Erfahrung im Schuldienst auf viele Tricks der Schüler nicht mehr hereinfallen.

Schummeln bei der Klausur ist ein großes Risiko

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So müssen sich Lehrer bei einem Betrugsversuch verhalten

Zunächst solltest du wissen, was passiert, wenn du beim Spicken während einer Klausur erwischt wirst.
Geregelt ist das Verhalten bei einem Täuschungsversuch im Schulrecht des jeweiligen Bundeslandes. Den Lehrpersonen bleiben dabei aber Freiräume, sie können nach Situation sowie Art des Täuschungsversuchs auch abweichend handeln. Damit es gar nicht erst soweit kommt, müssen Lehrer die möglichen Konsequenzen eines Täuschungsversuches klar mitteilen. Allein das sollte alle Schüler dazu bringen, eben nicht während einer Klausur zu spicken.

Die besten Tricks beim Spicken weltweit

Weltweit beweisen Schüler bei Spickzetteln ein hohes Maß an Kreativität ganz gleich ob auf dem Gymnasium oder Realschule. So setzen die russischen Schüler auf präparierte Gürtel, während die Schüler in Japan zum Gummizug greifen. Viele Tricks kennen die Lehrer dennoch, egal wie gut sie auch sein mögen. Die folgenden Spicktricks sind deshalb sehr gut beim Lehrpersonal bekannt:

1. Der Taschentuch-Spicker
Mit einem Kleber wir ein Spickzettel mit einer Größe von etwa 20 x 20 cm auf ein Papiertaschentuch geklebt, welches wieder zusammengefaltet wird. Ist man jedoch nicht wirklich erkältet, fällt dieser Trick sehr schnell auf.

2. Der Perforationsstreifen vom Collegeblock als Spicker
Aus dem Collegeblock trennst du die Blätter so heraus, dass der Perforationsstreifen nicht zerreißt. In sehr kleiner Schrift kann sehr viel darauf geschrieben werden, allerdings nicht auf die erste Seite.

3. Spicker für Mathematik
Mit einem Bleistift wird alles in den Deckel des Taschenrechners geschrieben. Möglich ist das natürlich nur, wenn der Taschenrechner auch benutzt werden darf. Am einfachsten ist diese Form des Spickens bei Taschenrechnern mit einem Deckel zum Aufschieben.

4. Stifte als Spicker
Sechskant-Stifte können mit einem weichen Bleistift beschrieben werden. Die Schrift kann einfach mit dem Finger entfernt werden. Gleiches funktioniert auch mit hellen Radiergummis.

5. Wörterbuch als Spickzettel
Wenn bei einer Klausur ein Wörterbuch genutzt werden darf, kann zwischen die einzelnen Buchstaben alles hineingeschrieben werden, was notwendig ist.

Diese Tricks funktionieren zwar, aber denkt trotzdem daran, dass die meisten Lehrer diese Tricks kennen! Unter Umständen kontrollieren sie beim herumgehen und dann drohen euch Konsequenzen.

Profi-Spicker: Es gibt sie wirklich

In der Universität Erlangen-Nürnberg findet sich eine Sammlung von mehr als 1.000 Spickzetteln. Schüler und Studenten, Lehrer und Professoren oder auch Sammler und Institute aus der ganzen Welt haben ihre Spickzettelchen geschickt – darunter Exemplare aus den US, aus Japan, Frankreich oder auch Tansania. Die Sammlung der Spickzettel ist auch außerhalb Deutschlands bekannt und zeigt eines ganz deutlich: Auf der ganzen Welt wird gespickt, unabhängig von der sozialen Schicht und das bereits seit dem 18. Jahrhundert. Bei den Exemplaren fällt eins ganz besonders auf: „Profis“ spicken auf unterschiedliche Weise. Da gibt es die klassischen Spickzettel, die gefaltet, geklebt, gerollt, handgeschrieben, gedrückt oder kopiert sind. Dann gibt es noch gebastelte Spickzettel in Brillen und Uhren, auf Flaschen, auf Stifte gerollt, in Zigarettenschachteln oder auf Radiergummihüllen. Die Fantasie der Schüler kennt also keine Grenzen.

In jedem Schulsystem gibt es unterschiedliche Spicker

Jedes Land hat andere Gebräuche. Das ist beim Spicken nicht anders. In Japan werden die Spickzettel beispielsweise zu einer Ziehharmonika gefaltet und dann mit einem Gummibändchen am Ellenbogen unter dem Ärmel befestigt. In Jordanien hingegen wird Folie mit einer Art Kohlestift beschriftet und die Schrift dann mit einem Klebeband abgezogen. Das Klebeband kann dann überall hin geklebt werden. In Russland werden entsprechend dem Multiple-Choice-System spezielle Gürtel von Schülern genutzt, in denen für die jeweiligen Fragebögen Stecktaschen eingearbeitet werden.

Spicken für den Lernerfolg?

Mittlerweile gibt es sogar Forscher, die sich mit den kleinen Zettelchen befassen. So stellen sich Fragen wie „Wird der Lernerfolg durch das Spicken erhöht?“, „Kann es noch eine faire Beurteilung der Schülerleistungen geben?“, „Werden Schüler nicht auf Dauer schwächer in ihrer Leistung, anstatt stärker?“.
Vor allem die Ausstellung in Nürnberg soll nicht zum Spicken, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen.

Spicken kann aber durchaus auch zum Lernerfolg beitragen. Immerhin schreiben sich die Schüler den Lernstoff noch einmal auf. Gerade in sogenannten Angstfächern bieten die kleinen Zettelchen eine gewisse Sicherheit.

Und auch, wenn es zunächst seltsam erscheinen mag: Ist ein Spickzettel gut aufgebaut, fördert er durchaus den Erfolg des Lernens. Sinnvoll ist es also vielmehr, dem Kind Regel für die Anwendung eines Spickzettels an die Hand zu geben, anstatt das Spickzettel schreiben gänzlich abzugewöhnen. Ein Spickzettel kann somit eine gute Lernhilfe darstellen. Das kleine Zettelchen kann sogar dazu beitragen, dass der Schüler am Prüfungstag deutlich sicherer ist und somit in die Versuchung kommt, den Spickzettel tatsächlich zu nutzen.

Spickzettel zum Lernen – So sollte er aussehen

Erfolgreich lernen

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Sofern das Thema einer Klausur bekannt ist, sollte ein Spickzettel angefertigt werden. Sämtliche Zahlen, Fakten und Daten des Themas können so beim Aufschreiben bereits verinnerlicht werden.

Ein Spickzettel sollte dabei folgendermaßen aussehen:

• maximal 1 DIN-A4-Seite kariertes Papier benutzen
• sämtliche Prüfungsinhalte notieren
• jedes Themengebiet mit einer anderen Farbe markieren, Trennstriche nutzen
• nur die wesentlichen Punkte notieren (Stichpunkte, Formeln, Tabellen, kleine Diagramme, Sätze nur in Ausnahmefällen wie z. B. bei Zitaten)
• Spickzettel immer mitführen und jede Gelegenheit nutzen, ihn durchzulesen

Am Prüfungstag ist der Spickzettel im Idealfall komplett abgegriffen und nicht oder nur noch schwer lesbar. Dann kann er während der Prüfung also auch in der Tasche bleiben, denn der erlernte Stoff ist durch das regelmäßige Lesen sowieso in das Gehirn eingebrannt.