Die erste Waldorfschule wurde im Jahr 1919 von Rudolf Steiner gegründet und setzte die von ihm begründete Waldorfpädagogik um. Die Waldorfschule setzt auf soziale Gerechtigkeit im Bildungswesen, statt auf Auslese nach Leistungsfähigkeit. Alle Kinder sollen in der Waldorfschule unabhängig von ihrer Herkunft, Begabung und späterem Berufswunsch die gleiche Bildung bekommen. In Deutschland gibt es zurzeit 235 freie Waldorfschulen, über 1000 Waldorfschulen gibt es auf der ganzen Welt. Damit ist die Waldorfschule die größte nicht-staatliche und überkonfessionelle Schule der Welt.

Mädchen am Tisch

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Wer kann auf eine Waldorfschule gehen?

Waldorfschulen sollen als freie Schulen unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, Religion und dem Einkommen ihrer Eltern allen Kindern zum Besuch offenstehen. Da es sich um freie Schulen handelt, werden jedoch Schulgelder, die vom Einkommen der Eltern abhängig sind, monatlich fällig. Diese sollen aber so gering gehalten werden, dass es niemandem aufgrund seiner finanziellen Situation unmöglich ist, eine Waldorfschule zu besuchen. Ein Wechsel von und zu einer freien Waldorfschule ist für Schüler jederzeit möglich, auch wenn es aufgrund der unterschiedlichen Lehrpläne einiger Umstellungen bedarf.

 

Der Schulalltag an einer Waldorfschule

Papierschiff

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An der Waldorfschule wird zwölf Schuljahre lang nach der Waldorfpädagogik unterrichtet. Neben den bekannten Schulfächern werden die Schüler einer Waldorfschule vor allem in künstlerischen und handwerklichen Schulfächern gefördert, weil man so ihre schöpferische und kreative Seite stärken möchte. Außerdem wird darauf Wert gelegt, dass die Schüler lebenspraktische Erfahrungen sammeln. Die Schüler haben morgens sogenannten Epochenunterricht in einem Fach, bei dem ein Thema dieses Fachs über einen bestimmten Zeitraum gelehrt wird. Erst nach einiger Zeit wird dieses Fach gewechselt. Im Epochenunterricht müssen die Schüler Epochenhefte führen, die ihnen beim Lernen helfen sollen und wichtig für die Beurteilung durch die Lehrer sind. Im Anschluss an den Epochenunterricht haben die Schüler jeden Tag Fachunterricht in Fremdsprachen wie, Latein oder Französisch, und lebensnahen Fächern. Diese können verschiedene Handwerke, Kunst, Musik oder Sport sein. Dabei sind die Schüler viel in der Natur. Die Lehrer der Waldorfschule arbeiten nicht nach einem vorgegebenen Lehrplan, sondern machen den Unterricht von der Entwicklung der Kinder abhängig. Der Umgang mit den Kindern ist sehr persönlich. So haben die Schüler bis zur achten Klasse den gleichen Klassenlehrer, der sie in den Hauptfächern unterrichtet. Morgens wird jedes Kind persönlich mit Handschlag begrüßt. Die Unterrichtsinhalte sind auf das kindliche Lernen abgestimmt und haben das Ziel menschlicher innerer Freiheit. Die Lehrer können dabei den Unterricht eigenständig auf die Schüler anpassen.

Das Abitur an der Waldorfschule – was ist anders?

Die Schüler einer Waldorfschule gehen zwölf Jahre zur Schule, für das Abitur wird an der Waldorfschule ein zusätzliches Jahr angehängt. Im Gegensatz zu Schülern öffentlicher Schulen müssen Waldorfschüler also nicht nach der vierten Klasse die Schule wechseln. Die Schüler einer Waldorfschule können in ihrer gesamten Schullaufbahn nicht sitzenbleiben und erhalten auch keine Zensuren, sondern ausführliche Charakterisierungen durch ihre Lehrer. In diesen persönlichen Beschreibungen werden die Leistungen, die Fortschritte, die Begabungen und das Bemühen der einzelnen Schüler detailliert beschrieben. Wenn die Schüler an der Waldorfschule das Abitur machen wollen, werden sie in einem 13. Schuljahr auf die Abiturprüfungen vorbereitet. Dieses 13. Schuljahr wird nicht im Stil der Waldorfpädagogik durchgeführt. In diesem Jahr werden explizit die prüfungsrelevanten Inhalte wiederholt, um die Schüler auf das zentrale Abitur vorzubereiten. Für die mündlichen Abiturprüfungen kommen Lehrer staatlicher Schulen oder Mitarbeiter der Schulverwaltung an die Waldorfschule, um der Prüfung beizusitzen. Die Prüfung selbst wird aber von dem Lehrer der Waldorfschule durchgeführt, den die Schüler gut kennen. Ähnlich läuft es auch bei den schriftlichen Prüfungen. Diese werden neben den Waldorflehrern auch von externen Lehrern korrigiert. Die Prüfungen zum Abitur finden an der Waldorfschule in vier Fächern mündlich sowie in vier Fächern schriftlich statt.
Im Gegensatz zu den öffentlichen Schulen zählen an der Waldorfschule nur die Noten aus den Prüfungen und nicht die Noten aus dem ganzen Abschlussjahr für die Abiturnote. Ausnahmen von diesen Regelungen bilden Hessen und fast alle Waldorfschulen in Hamburg, wo es in den Waldorfschulen eine staatlich anerkannte gymnasiale Oberstufe gibt. Dort ist der Ablauf des Abiturs also gleich dem an einem staatlichen Gymnasium. Das an einer Waldorfschule erworbene Abitur hat aber die gleiche Gültigkeit, wie das Abitur staatlich anerkannter Schulen. Trotz der erschwerten Bedingungen der Prüfungen im Abitur an der Waldorfschule schließen die Schüler der Waldorfschulen das Abitur im Schnitt mit gleichwertigen oder besseren Ergebnissen ab. Fast alle Schüler der Waldorfschulen erreichen einen mittleren Schulabschluss und über die Hälfte schaffen sogar das Abitur an der Waldorfschule, womit sie dann eine Studienwahl fällen können.